Pfarrer Martin Janus: Andacht zum Sonntag Judika

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt … (Hebr. 13, 14a)

Nein, beim ersten Zugehen auf den Text bin ich mit diesem Gedanken nicht einverstanden. „Wir haben hier keine bleibende Stadt“, das klingt nach Weltflucht. Oder auch: nach Gleichgültigkeit. „Ist doch egal, was passiert, und was ich tue.“ Wenn ich das Bibelwort so verstehe, ist es zur gegenwärtigen Zeit geradewegs gefährlich. Angesichts der sich schnell ausbreitenden, lebensbedrohlichen Corona-Infektion ist es wichtig, dass uns die Dinge nicht egal sind. Also: Keine Corona-Partys! Sondern Abstand halten, Zuhause bleiben, sich solidarisch zeigen mit denen, die Hilfe brauchen. Geduld haben und die Zuversicht nicht verlieren. Das ist das Gebot der Stunde.

Beim zweiten Zugehen auf die Verse aus dem Hebräerbrief lese ich von Jesu Leiden. Klar, diese Sätze wurden nicht aus Zufall für die Passionszeit ausgewählt: „Darum hat auch Jesus (…) gelitten draußen vor dem Tor.“ Die Erinnerung an Jesu Sterben, qualvoll und einsam, mag uns nicht gefallen. Wir sind auf Erfolgsmeldungen getrimmt. Wir hören gern von Fortschritt und Entwicklung. Wir halten Misserfolg, Krankheit und Tod schön von uns fort. Gegen alles gibt es eine Therapie oder einen Ratgeber. Jesu Scheitern passt nicht zu unseren Wünschen.

Gerichtet sind die Worte an Menschen, die am Leben schwer zu tragen hatten. Also nicht an die Erfolgsverwöhnten. Nicht einmal an die Lebensfrohen. Sondern an kummervolle, beladene Menschen. Ihnen gilt das ganze Mitgefühl des Verfassers. Ihnen spricht er Trost zu: Du bist nicht allein mit deinen Sorgen. Und: das Gegenwärtige ist noch nicht das Letzte. Es kommt noch etwas danach.

Ich möchte mich im Moment ganz auf das Jetzt und Hier konzentrieren. Was wird jetzt von mir als Mensch, als Bürger verlangt? Was kann unsere Gemeinde tun? Die Lage ist ernst genug. Gleichzeitig sagen mir die Verse:  Gott ist nicht weit weg, wenn mich Trauer und Sorge zu Tränen rühren. Und er wird das letzte Wort behalten.

Mit besten Wünschen – bleiben Sie gesund! Ihr Martin Janus

Pfr Heinz-Jürgen Roch zum Sonntag Lätare

„Freuet Euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sei lieb habt!“ Jesaja 66,10

Liebe Gemeinde, so beginnt der uns vorgelegte Predigtext für diese Woche nach dem Sonntag Lätare.

 Mir ist es schon immer wichtig gewesen, nicht meinen eigenen Ideen zu folgen, sondern die alten Texte der Bibel zum Wort Gottes an uns werden zu lassen. Darum zuerst dies, die Vision: Ich ersehne wie viele andere – Konfirmandenfamilien, Traupaare, Senioren- und Jugend(!!)gruppen-  schon jetzt den Tag, an dem wir uns wieder feiernd in großer Zahl in den Kirchen und auf den Plätzen der Stadt treffen werden. In  einer ähnlich-verfahrenen Situation verheißt der Prophet namens Jesaja den Menschen nämlich dieses: das Vorbeiziehen des Elends.

Die Hoffnung auf Gott, der nicht die Naturgesetze außer Kraft setzt, aber in uns, die wir uns Christen nennen, Kreativität und Mitmenschlichkeit in Gang setzen kann, schenkt uns genau das, was wir jetzt brauchen: Trost in scheinbar trostlosen Zeiten.

Das Motto „Freut euch“ ist nicht die Verhöhnung der Ängste und Sorgen der Menschen, es ist ein Aufruf zur Hoffnung, dass Gott diese Welt regiert. So rufe ich Ihnen diesen Liedvers aus dem Gesangbuch zu:

Komm in unser dunkles Herz, Herr mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle; die auch noch in dunkler Nacht Menschenleben herrlich macht. (eg 428,4)

Pfr Heinz-Jürgen Roch zum Sonntag Lätare