Andacht am 07.03.2021 mit Cornelia Fidora

Markus 12, 41 ff:

Jesus setzte sich im Tempel in die Nähe der Schatzkammer und beobachtete,

wie das Volk Geldmünzen in die Schatzkammer warf. Viele Reiche warfen

viel hinein. Da kam eine bettelarme Witwe und warf zwei kleine Geldmünzen

hinein, die nur wenig wert waren. Da rief Jesus seine Jüngerinnen

und Jünger zu sich und sagte zu ihnen: »Ja, ich sage euch: Diese bettelarme

Witwe hat mehr als alle anderen in die Schatzkammer hineingeworfen.

Alle anderen haben aus ihrem Überfluss heraus gegeben, sie aber hat aus

ihrer Armut heraus alles hineingeworfen, was sie besaß – ihren ganzen Lebensunterhalt. Damit hat sie ihr ganzes Leben Gott anvertraut.«

 

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, ob Sie Katrin Bauernfeind aus dem Fernsehen kennen. Aber sie kennt uns. Sie schreibt nämlich in ihrem Buch, Deutsche würden ohne zu zögern über 40.000 Euro für ein Auto ausgeben, aber bei jedem gespendeten Euro unbedingt wissen wollen, ob das Geld auch da ankommt, wo sie es hinhaben wollen.

Stimmt.

Ich zumindest will es schon wissen, was mit meinem Geld geschieht. Und dass es nicht nur mir so geht, zeigt sich vielerorts, auch im Gottesdienst. Manche Kollektenansage ist länger als die Predigt, damit auch jede und jeder weiß, was mit der Spende passiert. Wenn ich für ein neues Projekt in der Kirchengemeinde um Geld bitte, bin ich gut vorbereitet, damit ich verlässlich Auskunft geben kann, wie die Finanzierung gedacht ist. Nach Ende des Projekts wird genau bilanziert, wofür das Geld ausgegeben wurde und was es gebracht hat. Das Vertrauen, dass mit dem Geld etwas Gutes gemacht wird, ist offensichtlich nicht immer gegeben, sondern muss verdient werden. Immer mehr Kirchen legen schicke Broschüren und Flyer vor, was auf den Euro genau mit der Kirchensteuer passiert. Diese Rechtfertigung ist nötig. Ich will eben wissen, was mit meinen Spenden geschieht.

Das ist auch nicht anders als bei den Großspendern wie Melinda Gates oder dem Ehepaar Zuckerberg. Sie gefährden sich mit ihren riesigen Spenden und Stiftungen zu keinem Zeitpunkt in ihrer Existenz, wollen aber ebenfalls genau wissen, was mit ihrem Geld passiert. Es sind Spenden, bei denen man die Kontrolle nicht abgeben will. Na klar, bei 45 Milliarden! Das haben Sie wahrscheinlich alle mitgekriegt.

Haben Sie auch die folgende Pressemitteilung mitgekriegt? Die der Vereinten Evangelischen Mission: „Der Kirchenkreis Goma der Baptisten-Kirche in der Republik Kongo übergab eine Spende in Höhe von 1.000 US-Dollar, umgerechnet 800 Euro, an den evangelischen Kirchenkreis Saar-West.“ 

1.000 US-Dollar sind im Kongo viel Geld. Die Menschen im Land sind arm, die Wirtschaft liegt trotz Rohstoffreichtum am Boden. Jahrzehnte des Krieges und der Gewalt haben das Land ins Chaos gestürzt, Tausende Menschen sind ständig auf der Flucht. Der Kirchenkreis aus der krisengeplagten Region im Kongo war in der Vergangenheit oftmals selbst Empfänger von Geldspenden. Die Geldspende aus dem Kongo soll deshalb dem Frauenprojekt „Nour“ im Flüchtlingsaufnahmelager Lebach im Saarland zugeführt werden. Hier können sich Frauen aller Nationalitäten medizinisch beraten lassen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind. Außerdem bietet die Einrichtung Sprachkurse an.

Soweit die Pressemeldung. Die Christenmenschen im Kongo haben gegeben, was sie zum Leben haben, um ihren Partnern, ihren Brüdern und Schwestern im Saarland zu helfen bei deren großer Aufgabe, Flüchtlingen zu helfen.

Jesus wäre begeistert gewesen, so wie er zu seiner Zeit begeistert war von einer Witwe, die im Tempel in Jerusalem spendete, was sie zum Leben hatte.

Jesus sitzt sozusagen am Kollektenkörbchen und schaut zu, was die Leute reinlegen. Und dann ruft er seine Jünger heran, weil er ihnen etwas Wichtiges zu sagen hat über den Wert der Spende der armen Witwe. Er stellt die Witwe heraus, sie ist unter all den Spendern etwas Besonderes. Sie gibt alles, was sie zum Leben hat.

Die anderen geben von ihrem Überfluss. Deswegen sind sie aber nicht zu verurteilen. Das macht Jesus auch nicht. Zum Glück – denn damals wie heute braucht es Spenden von reichen Menschen, um besondere Projekte zu verwirklichen, Menschen zu helfen und Teilhabe zu ermöglichen; oder um Kirchengebäude zu erhalten und ihre Zukunft zu erhalten. Jesus urteilt nicht, er stellt nur fest: Die Reichen geben von ihrem Überfluss. In der Tat, so ist es bis heute. Und gut, dass sie es machen.

Die Witwe aber sieht Jesus als etwas Besonderes an. Denn sie ist arm und gibt dennoch alles, was sie hat, als Spende für die Aufgaben des Tempels. Das ist anders, als vom Überfluss abzugeben. Es ist die größte Spende von allen, so sagt es Jesus. Die namenlose Witwe gibt, ohne zu rechnen, sie gibt, ohne zurückzuhalten, sie gibt, ohne zu wissen, ob wohl bei ihr zu Hause noch genug Geld da ist für morgen.

Warum lobt Jesus ein derartig sorgloses Verhalten? Was würde werden, wenn wir alle so handeln würden? Ja, was wäre dann? Würde alles zusammenbrechen oder alles viel besser sein?

Für Jesus ist die Witwe augenscheinlich Vorbild. An Menschen wir ihr sollen wir uns orientieren, wenn es darum geht, das Reich Gottes zu bauen. Für Jesus ist die Witwe eine Mutmacherin. Sie zeigt, wie es geht, sein Leben Gott anzuvertrauen und die Sorgen um morgen loszulassen. Und da geht´s nicht nur um Geld. Es geht um viele Dinge, die ich einbringen kann, ohne zu wissen, ob ich eine entsprechende Gegenleistung bekomme. Es geht um Vertrauen in die Zukunft. Sie sorgen für Ihre Kinder. Ich behaupte mal, das tun Sie nicht, um später Ihre Rente zu sichern.

Es geht um Vertrauen in meine Mitmenschen. Die vielen Ehrenamtlichen, die ihre Arbeit hier in der Gemeinde machen, weil´s Spaß macht und nicht, um hochangesehen zu sein.

Meine Zeit und meine Freundschaft anzubieten und zu verschenken, ohne darauf bedacht zu sein, alles wiederzubekommen. Das sind kleine Schritte auf dem Weg ins Reich Gottes, vielleicht sogar sehr kleine gemessen an der Witwe, gemessen an den Brüdern und Schwestern aus dem Kongo. Aber „viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehen.“ Dieser schöne und weise Satz kommt auch aus Afrika und bestärkt mich darin, immer wieder weitere kleine Schritte zu suchen und zu gehen.

Und Sie hoffentlich auch. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Ihre Pfarrerin Coco Fidora

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Lukas 2, 41 – 52

Liebe Gemeinde,

Sie kennen sicher den Film „Kevin allein zu Haus“. In dem Film fliegen die Eltern mit 4 Kindern in Urlaub, und vergessen dabei zuhause ihr 5., eben Kevin. Und der genießt, zumindest am Anfang, die unverhoffte Freiheit. Er nutzt sie gut, bis seine Eltern endlich sein Verschwinden bemerken und zurückkehren.

In unserem Predigttext wird eine ähnliche Geschichte erzählt: Josef und Maria pilgern mit Jesus nach Jerusalem. Er ist schon 12, also kurz vorm Erwachsenwerden. Auf dem Heimweg vermuten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten, die mitgezogen sind. Als sie ihn dort nicht entdecken, gehen sie nach einem Tag zurück nach Jerusalem, wo sie ihn nach 3 (DREI !) Tagen endlich finden – im Tempel.

 

Das scheint Kindern und besonders Jugendlichen eigen zu sein:

- diese Neugier

- dieses etwas erleben wollen, was über meine eigene kleine bisherige Welt hinausgeht

- dieses Sich-nicht-immer-an-Anweisungen-halten-wollen

- dieses Selbstvertrauen: „Mir wird schon nichts passieren“

- und, ja, dieser unbedachte Egoismus.

 

Ich jedenfalls kann mich an solche oder ähnliche Situationen in meiner Pubertät lebhaft erinnern. Und ebenso lebhaft an die Reaktionen meiner Eltern:

„Wo warst du denn?“ „Was hast du dir dabei gedacht?“ Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“    ---   Reaktionen wie Maria.

 

Wie gesagt: Alles typisch bisher. Aber dann kommt das Ungewöhnliche. Die Eltern finden Jesus im Tempel, wo er mitten unter den Gelehrten sitzt und mit ihnen redet. Auf ihre Vorwürfe reagiert er mit Unverständnis: „Wie, ihr habt mich gesucht? Ich gehöre doch genau hierhin, zu meinem Vater!“

Das wiederum verstehen seine Eltern (ich vermute mal: besonders Josef) nicht. Also gibt er ihnen, vielleicht zum letzten Mal, nach und begleitet sie auf dem Heimweg. Und in Nazareth nahm Jesus zu an Weisheit und Reife und Gnade bei Gott und den Menschen, heißt es in unserem Predigttext.

 

Wir werden erst wieder von Jesus als Erwachsenem hören, einem Mann mit genau diesen Eigenschaften. Und es brauchte, wie bei allen Menschen, dazu eine Pubertät, in der neue Freundinnen und Freunde gefunden und eigene Werte entwickelt werden, Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl wachsen und der Lebensweg immer klarer erkannt werden kann.

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Wisst ihr noch, wie es geschehen?

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